Fragen zum Thema Individualisierung

  1. “Selbststeuerung unter einem beschleunigten Ansturm von Informationen und Handlungsoptionen bei gleichzeitigem Wegfall kultureller, gemeinschaftlicher und geschichtlicher Verwurzelung ist ein Nährboden für Burnout und Depression” (Ehrenberg 2008)

Kommentare

  1. Neben der Tyranny of freedom (Schwartz, 2007) gibt es in diesem Zusammenhang auch eine Tyrannei der Selbstverantwortung. Dies kann auch zu einer gewissen Frustration führen, wenn man alle Entscheidungen selber verantworten muss. Durch eine kulturelle, gemeinschaftliche und geschichtliche Verwurzelungen wird die Wahlmöglichkeit eingeschränkt. Gleichzeitig könnte aber auch der Erwartungsdruck in einer engeren Gemeinschaft gegenüber richtigen oder falschen Entscheidungen von Kindern grösser sein als in liberaleren Gemeinschaften.

    Sxyz123! Und Sunny

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    1. Mir ist zu diesem Zitat ebenfalls gleich die Tyranny of freedom eingefallen. Auch Schwartz schreibt ja, dass die ansteigende Zahl an Depressionen auf zu viel Freiheit zurückgeführt werden kann.

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    2. ja, dieser Text von Barry Schwartz ist mir auch in den Sinn gekommen. Dass eben diese zu grosse Freiheit, ohne eine "Richtungsangabe" für einige Menschen auch überfordernd sein kann, was zu einer Verringerung des Wohlbefindens auslösen kann. Und auch wie Axolotl schreibt, dass eine gewisse Frustration ausgelöst werden kann, wenn man alle Entscheidungen selber verantworten muss. Je mehr Entscheidungen getroffen werden müssen, desto mehr Entscheidungen kann man auch bereuen.

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  2. Ich finde das ein sehr spannendes Zitat. Grundsätzlich fällt mir auf, dass die gesellschaftliche Individualisierung und der gefühlte wie auch praktizierte Egoismus eine Entscheidung zum Wohl der Gemeinschaft und gegenseitige Rücksichtnahme nicht begünstigen. Zudem zeigen Statistiken, dass Depressionen und Burnout zunehmen. Die Frage stellt sich, ob generell die Akzeptanz von psychischen Krankheiten zugenommen hat oder mehr Menschen erkranken und diagnostiziert werden. Ich finde es aber schwierig zu beurteilen, ob dies nur an der Selbststeuerung liegt oder doch an der sich veränderten gesellschaftlichen Erwartungen an das Individuum.

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    1. "Die Frage stellt sich, ob generell die Akzeptanz von psychischen Krankheiten zugenommen hat oder mehr Menschen erkranken und diagnostiziert werden"
      Ich finde das eine sehr interessante und nicht zu unterschätzende Aussage. So glaube ich, dass sich in der heutigen Gesellschaft einige Charaktereigenschaften oder Lebensformen von Menschen finden liessen, die zwar statistisch betrachtet häufiger geworden sind, jedoch nur aufgrund gestiegener sozialer Akzeptanz überhaupt aus der Dunkelziffer heraus ans "Tageslicht" getreten sind.

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  3. Ich glaube, dass diese Aussage für einen gewissen Teil der Lernenden zutrifft und in meinen Augen sind es diejenigen Lerner, die eher schwach sind und kein grosses Autonomiebedürfnis haben. Daher sehe ich hier ein Potenzial für Demotivation und Überforderung oder noch zugespitzter, für Burnout und Depression. Es gilt also, auch diese Gruppe im Auge zu behalten und ihre Bedürfnisse abzudecken.

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    1. Mir sind nebst den schwächeren SuS auch solche, die zu Perfektionismus neigen in den Sinn gekommen. Selbstgesteuertes Lernen braucht sehr viel mehr Selbstkontrolle, was eine Überforderung und eine damit verbundene Überlastung begünstigen kann.

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  4. Wie auch einigen anderen Bloggenden hier kam mir beim Lesen des Zitates unweigerlich der Text von Barry Schwartz (2007) in den Sinn. Während aber vor allem im ersten Teil des Zitats die Theorie der Tyranny of Freedom entdeckt werden kann, geht der zweite Teil noch weiter. So entsteht durch den Wegfall kultureller, gemeinschaftlicher und geschichtlicher Verwurzelung ein Identitätsvakuum, das ohne erheblichen persönlichen Aufwand nicht so leicht gefüllt werden kann, was wiederum Burnout und Depression ermöglicht.

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