Selbstbestimmungstheorie (Deci und Ryan)
Die intrinsische Motivation fördert den freien Willen, die Autonomie, die Kompetenz. Erziehung bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, die Kinder nicht allein treffen können, was gleichbedeutend mit Kontrolle ist. Wie kann ein Kind frei wählen, wenn es von Regeln und Konventionen umgeben ist? Wenn man von Anfang an, die Kinder autonomer aufwächst, kann das bedeuten, dass die Regeln an Bedeutung verlieren?
Das finde ich ein sehr spannender Ansatz welcher mich auch beschäftigt hat. Zudem stellte ich mir jedoch noch die Frage, ist es in unserer jetzigen Welt überhaupt möglich Kinder vollkommen autonom zu Erziehen? Geben wir bzw. die Umwelt nicht schon von der Geburt an gewisse Richtungen vor, welche eingehalten werden sollten/müssen? Dazu kommt, dass die Eltern oder auch die Gesellschaft die Kinder bzw. Jugendliche vor dem 18 Lebensjahr vieles nicht selber entscheiden lassen und somit auch bis dahin gewisse Regeln gelten. Darum würde ich eher in die Richtung tendieren, dass die Regeln eine zu grosse Bedeutung gewinnen und die Kinder somit eher nicht mehr in der Lage sind selber Entscheidungen zu treffen.
AntwortenLöschenWie kann ein Erwachsener frei wählen, wenn er von Regeln und Konventionen umgeben ist?
AntwortenLöschenWir leben in einer Gesellschaft, wir leben nach den Regeln dieser Gesellschaft, auch wenn wir vielleicht nicht alle sehr sinnvoll oder gut finden - wir passen uns an für ein funktionierendes Miteinander. So wäre es (so vermute ich) gedacht..
Ich denke, wenn Kinder autonomer aufwachsen, also ohne Regeln, dann werden diese umso eine grössere Rolle spielen, auch wenn vermutlich anders als gedacht. Ich habe erlebt, dass Kinder umso mehr das wollen, was sie nicht haben, sprich Kinder die ganz ohne Grenzen aufwachsen, versuchen um jeden Preis diese Grenzen zu spühren..diese zu haben.
Ich denke Autonomie sollte nicht als Grenzen-los verstanden werden, sondern eher als Selbst-Teilnehmend, d.h. dass ein Kind nicht der Spielball ist, weder des Systems, der Lehrperson oder der Eltern. Ein Kind sollte möglichst früh verstehen, dass es JEMAND ist, jemand der SELBST entscheiden darf und soll,.. natürlich immer altersentsprechend.. aber das ist abhängig davon, dass das Gegenüber, das Kind als autonom/selbstständig anerkennt.
Ja genau! Autonomie wird ja nicht so verstanden, dass die SuS losgelöst sind von institutionellen Vorgaben, ohne Führung von Anderen, etc. Es ist damit gemeint, dass die Kinder selbst handeln anhand von ihren eigenen Bedürfnissen und Werten.
LöschenRegeln und Konventionen gelten ja nicht nur für Kinder sondern unser aller Zusammenleben wird dadurch bestimmt. Schon Kant hat festgehalten, dass "die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt". "Frei" zu wählen bedeutet somit zwischen den Möglichkeiten auszuwählen, die aus einem gesellschaftlich ausgehandelten Regelwerk hervorgehen. Wenn Kinder autonomer aufwachsen würden, gäbe es nicht weniger Regeln noch würden diese an Bedeutung verlieren sondern sie wären lediglich früher dazu im Stande, selber aus den eben genannten Möglichkeiten auszuwählen.
AntwortenLöschenDas Spannungsfeld von Autonomie und Instruktion im Erziehungskontext wird und wurde kontrovers diskutiert: Hannah Arendt (Krise der Erziehung) und Margrit Stamm (Eltern müssen ihren Kindern mehr zutrauen -> https://www.srf.ch/play/radio/focus/audio/margrit-stamm-eltern-muessen-ihren-kindern-mehr-zutrauen?id=9ea7f5d0-a8cd-45df-a241-2de67249ca6f) (gemeinsam mit Axolotl und Sxyz123)
AntwortenLöschenIst es nicht auch so, dass der Umgang mit Autonomie zuerst erlernt werden muss und das nur mit gewissen Regeln und Grenzen geht? Was noch nicht im Verantwortungsbereich eines Kindes liegt, entscheiden die Erwachsenen. Ich denke nicht, dass man Autonomie mit vollkommener Freiheit gleichgesetzt werden kann. Ist es nicht auch eine Überforderung, wenn man Entscheidungen treffen muss und die Folgen gar nicht abschätzen kann? Interessant finde ich in diesem Zusammenhang den Text von Hannah Arendt (1994), welche die Verwischung der Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern kritisiert.
AntwortenLöschenIch finde das ebenfalls ein spannender Ansatz.
AntwortenLöschenGrundsätzlich ist der Begriff Kontrolle, wie auch der Autoritätsbegriff, im deutschsprachigen Raum negativ konnotiert. Autonomie wird dabei oftmals als Gegensatz dieser Begriffe verwendet. Dabei würde ich sagen, dass Autonomie grundsätzlich nicht gegensätzlich zu den beiden Begriffen steht. Man kann auch in bestimmten Grenzen sehr wohl autonom handeln. Ähnlich wie bei Freiheitsbegriff kann nur dort autonom gehandelt werden, wo niemand anders in seiner Freiheit eingeschränkt wird. Dies bedeutet, dass Freiheit und Autonomie also durchaus auch eingeschränkt werden können und auch müssen, damit die Begriffe ihre Berechtigung in unserer Gesellschaft haben.
Ich stelle mir in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, ob der Autonomiebegriff im deutschen Raum auch so positiv konnotiert wäre, wenn Autorität nicht negativ konnotiert wäre.
Darüber hinaus würde ich an dieser Stelle mit Hannah Arendt argumentieren. Sie beschäftigte sich mit dem Autoritätsbegriff und übte unteranderem Kritik an den Vorstellungen der "progressiv education". Sie kritisierte, dass Kinder eben nicht sich selbst überlassen werden dürfen. Die Tyrannei einer Eigengruppe ist stets grösser als die Tyrannei einer einzelnen Person. Weiter müssen eben die Erwachsenen Verantwortung für die Kinder übernehmen und gleichzeitig auch für die Welt in der sie aufwachsen. Verantwortung übernehmen bedeutet eben nicht, die Kinder völlig autonom aufwachsen zu lassen, sondern sie in die Welt einzuführen, ihnen Schutz und Geborgenheit zu bieten. Die Kinder eben nicht autonom aufwachsen zu lassen ermöglicht es den Kindern später selbst autonom zu handeln.
Wenn man die Kinder autonomer aufwachsen lässt, bedeutet das nicht, dass die Kinder völlig autonom aufwachsen sollen, sondern lediglich "autonomer". Dies würde wiederum bedeuten, dass nicht die Regeln verloren gehen, sondern das Kind lediglich mehr Entscheidungsfreiheiten hat.
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