Gruppeninput 6; Basisbedürfnisse: Konflikte innerhalb und mit Modellen
2. Entfremdung vom Lernen als Motivationsproblem: Ryan &
Powelson sagen, dass im institutionalisierten Schulsystem die kontextbezogene
Unterstützung weggenommen wurde, die es den Kindern erleichtert hat, sich
zu motivieren und sich im Verband einbezogen zu fühlen. Sie sehen darin
einen möglichen Grund für die Entfremdung vom Lernen. Wie steht ihr zu
dieser Aussage?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Aussage richtig verstehe. Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass es zu einer Entfremdung vom Lernen gekommen ist. Wird denn heute nicht so viel wie noch nie (institutionell) gelernt, zumindest was die Verteilung über die Bevölkerung betrifft?
AntwortenLöschenEs geht meiner Meinung nicht um die Menge, die in Institutionen gelehrt wird oder nicht, sondern um die Motivation. Als Beispiel könnte folgendes dienen: Kinder lernten früher zuhause von den Grosseltern oder Eltern, wie man Socken strickt. Sie waren im Winter froh, warme Socken zu haben und waren deshalb motiviert, es auch zu lernen - es machte Sinn, weil der Kontext dieser Tätigkeit hohe Bedeutung zusprach. Heute wird (noch vereinzelt) gestrickt im textilen Handarbeitsunterricht. Die SuS sehen den Sinn davon aber nicht, weil wollene Socken erstens jucken und sie zweitens sowieso für 1.50 im Discounter angeboten werden...(sehr plakative, vereinfachtes, veraltetes Beispiel, das sich aber auch mit anderen Fachinhalten füllen liesse...) ;-) Aussage: Kontext liefert Motivation.
LöschenWie so Vieles, fällt und steht es mit der Lehrperson. Auch in der Schule muss den Lernenden die Möglichkeit gegeben werden, Inhalte auf unterschiedlichen Ebenen zu erfahren. Der Alltagsbezug muss erkennbar sein.
AntwortenLöschenKinder bringen von zuhause unterschiedliche Erfahrungen mit, die berücksichtigt werden müssen.
Die heutige familiäre Situation hat sich verändert. Viele Eltern arbeiten, da ist die kontextbezogene Unterstützung nicht gewährleistet. Möchten Kinder wirklich ihre Eltern als Lehrpersonen haben? Ist das nicht auch sehr demotivierend und bringt unnötige Konflikte mit sich? Inad Nab & ALF
Ich stimme Inad Nab und ALF zu. Die Schule gibt den SuS die Möglichkeit, unterschiedliche Inhalte zu lernen - einige dieser Inhalte werden für einen Teil der SuS spannend sein, andere Inhalte für anderen Teil der SuS. Des Weiteren denke ich, dass in der Schule viele Sachen gelernt werden, die die Eltern den Kindern möglicherweise nicht beibringen würden. Wenn die Eltern beispielsweise Mathe nicht gerne haben, werden sie diesen Fach ihren Kindern nicht beibringen wollen oder auch nicht können. Es ist deshalb wichtig, dass die Kinder die Möglichkeiten in der Schule haben, sich mit unterschiedlichen Fächern auseinanderzusetzen.
LöschenIch kann dem ebenfalls zustimmen. Die Schule bietet die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Lerngegenständen auseinanderzusetzen, welche die Lernenden ohne die Schule nie erfahren würden und entsprechend auch keine Motivation darin entwickeln könnten.
LöschenIch finde eure Argumentationsblickwinkel interessant..
LöschenKlar schafft die Schule generell viele Möglichkeiten des Lernens. Ich glaube das würde heute auch niemand so pauschal bezweifeln,.. aber ob die viele Zeit während der Schule optimal genutzt wird? Meiner Meinung nach ist die Sozialisation (sie findet ja auch in der Schule statt) viel entscheidender, als Fächer-Wissen wie z.B. Mathematik..
Ich bin auch deiner Meinung. Ich sehe im heutigen Schulsystem auch nicht wirklich eine Entfremdung vom Lernen. Vielleicht ist das in den USA mehr der Fall, der Text bezieht sich, nehme ich einmal an, auf die USA. Wobei die Menge an Gelerntem ja noch nichts über die Entfremdung aussagt.
AntwortenLöschenIch sehe auch keine Entfremdung vom Lernen in unserem heutigen Schulsystem, sondern eher im Gegenteil: das Rausnehmen von einem kulturellen Kontext und einsetzen in einen anderen muss ja nicht nur negativ sein, sondern kann auch sehr gewinnbringend sein auch in Hinblick auf die Motivation zu Lernen.
LöschenIch stimme dir zu - ich könnte mir vorstellen, dass eine "Entfremdung" sogar motivations- und autonomiefördernde Auswirkungen haben könnte.
LöschenIch würde behaupten, als Entfremdung wird hier etwas Neues bezeichnet, im Unterschied zu Bekanntem und Vertrautem. Als Entfremdung empfunden wird hier wohl das weit ausserhalb des als eigen bzw. vertraut erfahrenen Bekannten. Ich schliesse mich diesen Meinungen hier an. Ich sehe im heutigen Bildungssystem auch keine Entfremdung vom Lernen. Es ist nun einfach anders aber doch gewinnbringend.
LöschenIch schliesse mich den oben genannten Antworten gerne an. Ich sehe ebenfalls keine Entfremdung vom Lernen im heutig System der Schule.
LöschenIch würde ebenfalls dem bislang gesagtem beipflichten. Ich sehe auch keine Entfremdung vom Lernen. Vielmehr hat sich "das Lernen" heute grundsätzlich verändert...
AntwortenLöschenEs stellt sich darüber hinaus auch immer die Frage, was untere "dem Lernen" gefasst wird, bzw. wie dieses definiert wird. Erst dann kann man beurteilen, was mit Entfremdung gemeint ist.
Wir erachten diese Darstellung als ideologisiert und fragen uns, ob denn die Motivation im familiären Umfeld höher war als heute (wenn ja, mit welchen Zusammenhängen war dies verbunden?). Auch ist die Institutionalisierung der Schule schwer mit dem Begriff "früher" und "heute" zu verbinden - Schule, wie sie heute ist hat nun doch schon lange Tradition. Vielleicht ist die Möglichkeit, ein Zugehörigkeitsgefühl zu vermitteln auf mehreren Ebenen möglich: im Klassenverband (auf Kinderebene und in Beziehung zu den LP) und im Kontext mit dem Zuhause (wenn z.B. Eltern und LP ähnliche Werte teilen). sxyz123
AntwortenLöschenIch stimme euch zu. Auch ich frage mich worauf die Annahme basiert, dass die Motivation im familiären Umfeld höher gewesen sein soll als heute. Und wie ihr bin auch ich über die Aussage "sich im Verband einbezogen zu fühlen" gestolpert. Ist hier die Rede vom Zugehörigkeitsgefühl à la Deci und Ryan?
LöschenIch würde diesen Aussagen absolut zustimmen. Dazu kommt, dass heute und insbesondere seit der Einführung des LP21 wieder vermehrt Wert darauf gelegt wird, "den Alltagsbezug" herzustellen. Entsprechend will man die Relevanz des Lerngegenstandes im Alltag der Kinder wieder mehr in den Vordergrund rücken. Unabhängig davon ist es aber sicherlich auch wichtig, dass leider auch Themen erarbeitet werden müssen, die wohl nicht mit Motivation gekoppelt werden können. Denn so läuft es ja später im Leben auch ab....
LöschenMeiner Ansicht nach kann in der Schweiz schon von einer Entfremdung durch die Institutionalisierung gesprochen werden, wobei natürlich in Frage gestellt werden sollte, wie weit diese geht und ob salopp von "früher" und "heute" gesprochen werden soll.
AntwortenLöschenDas Sockenbeispiel von Sunny veranschaulicht es... viele SuS sind sich ihrer eigenen Handlung nicht mehr bewusst oder stellen sie in Frage.. die Motivation wird meiner Meinung nach von der Tätigkeit auf die Kritik an der Tätigkeit verschoben.
Vieles in den Augen der SuS "macht keinen Sinn", weil die Dringlichkeit nicht mehr so offensichtlich ist wie z.B. die kalten Füsse zu wären. Die LP/Erziehungsberechtigten/Gesellschaft sollte den Mehrwert für ihre SuS aufzeigen, um eine intrinsische Motivation zu ermöglichen...