Diskussionsfrage Deci & Ryan (2000)
Wieso setzt man heutzutage den Fokus weiterhin auf das Bewerten von Schülerinnen und Schülern, sowie die Erfüllung von Bildungsstandards, wenn empirisch nachgewiesen werden konnte, dass dies zu einer Verminderung der intrinsischen Motivation führt, diese aber essenziell für den persönlichen Erfolg ist?
Ich denke hier geht es oft um den Spagat zwischen Individuum und Gesellschaft. Ich denke nicht, dass das System per se für das Individuum ausgerichtet ist, sondern für eine solide Zusammensetzung der Gesellschaft.
AntwortenLöschenPersönlicher Erfolg jedes Einzelnen - ist das tatsächlich erstrebenswert oder ist es nur eine Idee, die vorgegaukelt wird, um alle Gemüter zu beruigen?
Ich persönlich finde, dass man stark unterscheiden muss zwischen, was man selber denkt und fühlt und was tatsächlich gemacht wird, denken wir nur schon an die eine Funktion der Schule: Selektion.
Es ist aus unserer Sicht etwas gewagt, Bewertung und das Erreichen von Bildungsstandards ausschliesslich mit summativer Beurteilung gleichzusetzen. Eine formative Beurteilung kann ja auch zu einer Motivationssteigerung führen, wenn dabei der Lernprozess unterstützt wird indem Lernfortschritte sichtbar gemacht werden. Schule hat eine Allokationsfunktion, welche in der Leistungsgesellschaft die Plätze zuweist. (gemeinsam verfasst mit Axolotl und Syxz123)
AntwortenLöschenJa formative Beurteilung kann motivierend wirken. Ich habe es in der Praxis aber oft gesehen, dass dabei immer auf die Schwächen und nicht die Stärken eingegangen wird. Meines Erachtens ist da ein förderorientierter Ansatz, welcher sich auf das Fördern der Stärken konzentriert, sinnvoll und würde wahrscheinlich auch die intrinsische Motivation verstärken können.
LöschenDer Lehrplan 21 setzt ganz klar die Begriffe "Wollen"-"Können"-"Wissen" gleich, im Sinne, dass alle gleich stark gewichtet werden unabhängig davon, in welcher Form die Beurteilung stattfindet. Leider merke ich im Alltag, dass das Wollen für die anderen zwei Punkte grundlegend ist und eigentlich nur das gefördert werden sollte...
AntwortenLöschenZudem bin ich immer wieder beeindruckt, wie stark Reflexion für die eigene Motivation unterstützend wirken kann!
Ich glaube, dass es hier ganz zentral ist, nach welcher Bezugsnorm beurteilt wird. Das Erreichen von Bildungsstandards setzt immer noch einen gewissen Rahmen und soll wenn möglich weiterhin angestrebt werden. In Bezug auf die intrinsische Motivation macht es aber einen grossen Unterschied, ob nach einer sozialen, kriterialen oder individuellen Bezugsnorm beurteilt wird. Wenn man den SuS die individuellen Fortschritte aufgrund einer individuellen Bezugsnorm aufzeigen kann, kann dies durchaus sehr motivierend wirken. Hierbei wären die Noten nicht im Vordergrund, sondern der individuelle Fortschritt.
AntwortenLöschenIch würde Ginis Argumentation beipflichten.
AntwortenLöschenDie Schule ist kein losgelöstes System, sondern immer reaktiv zu anderen System zu sehen. Die Schule hat für die Gesellschaft besonders eine Funktion, nämlich zu selektionieren. Da wir in keine ständischen Gesellschaft mehr leben, sondern in einer meritokratischen Gesellschaft, werden Positionen in der Gesellschaft über Leistungen verteilt. Diese Leistungen müssen jedoch messbar sein und in ihrer Messbarkeit den statistischen Güterkriterien unterliegen. Noten sind dabei, obwohl diese meiner Meinung nach durchaus kritisch gesehen werden können, immer noch das beste Mittel.
Die zentrale Aufgabe des Bildungssystems ist also nicht die Steigerung der intrinsischen Motivation bei den Lernenden, sondern die möglichst gerechte Verteilung von Positionen in der Gesellschaft.