Fragen zu den Themen offener Unterricht und lehrerseitiges Unterstützungsverhalten
3. Was denkst du über das Churer-Modell auf dem Hintergrund der bereits besprochenen Inhalte bezüglich Autonomie und Instruktion der heute gehörten Aspekte offenen Unterrichts?
Das Churer-Modell bietet bestimmt einige Möglichkeiten, die Autonomie der Schülerinnen und Schülern zu fördern. Sie können einige Dinge selber bestimmen und erhalten die Verantwortung für ihr eigenes Lernen. Der Unterricht scheint offener, als er in "normalen" Schulzimmern anzutreffen ist. Die Prinzipien dieses Unterrichts können jedoch auch angewendet werden, ohne dass das Schulzimmer umgestellt wird und eine permanente freie Lernaufgabenwahl besteht.
AntwortenLöschenDer "Raum als dritter Pädagoge" hilft bei der Umstellung weg vom lehrerzentrierten Unterricht hin zu einem selbsttätigen, aktiven Lernen. Die Umstellung des Raumes zwingt Lehrpersonen oder auch ganze Teams über ihr Verständnis von Lehren und Lernen nachzudenken.
Löschen(gemeinsam mit Axolotl &Sxyz123!)
Wir hatten an unserer Schule eine Einführung ins Churermodell und bei dieser Tagung wurde uns ziemlich klar gesagt, dass eine Umstellung und Anpassung im Schulzimmer nicht zu umgehen ist und ich glaube auch, dass das Modell start darauf ausgelegt ist.
LöschenSowohl in den bereits besprochenen Inhalten als auch beim Churermodell wird ersichtlich, dass Autonomie klare Strukturen braucht. Ohne Instruktion keine Autonomie. Der Grad der Öffnung hängt stark von der gegebenen Situation und den Lernenden ab. Wie in der Studie von Sieber et al. (2016) beschrieben, profitieren Schülerinnen und Schüler mit einem schwachen Autonomiemotiv nicht von autonomieförderndem Unterricht. Die intrinsische Motivation sinkt, da sie sich schnell überfordert fühlen. Im Video wurde ebenfalls erwähnt, dass die Schülerinnen und Schüler, die autonom Lernen möchten, dies im Churermodell auch wählen. Auch im Churermodell ist es wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler einzugehen. Inad Nab & ALF
AntwortenLöschenGemäss dem Selbstbestimmungsmodell nach Deci & Ryan müssen die drei Grundbedürfnisse (Autonomie, Kompetenz und soziale Bezogenheit) erfüllt sein, um instrinsische Motivation zu erzeugen. Meiner Ansicht nach kann mit dem Churer-Modell ein Beitrag zur Erhöhung der Autonomie bei den Schülerinnen und Schüler erreicht werden, was wiederum einen Einfluss auf die intrinsische Motivation hat. Das Churer-Modell bietet viele Aspekte, die den Unterricht öffnen (Aufgabenwahl nach Niveaus, Arbeitsort, Partner, usw.). Dadurch wird der Unterricht auch weniger lehrerzentriert und bietet viel Spielraum für Autonomie.
AntwortenLöschenDas Churer-Modell bietet viele Möglichkeiten, um Autonomie im Unterricht zu fördern. Es kann dazu beitragen, dass sich SuS wohl im Unterricht fühlen werden, was einen positiven Einfluss auf die Lernmotivation haben könnte. Gleichzeitig brauchen aber v.a. die jüngeren Kinder klare Instruktionen.
AntwortenLöschenMir war das Churer-Modell bis anhin noch nicht bekannt.
AntwortenLöschenMeiner Meinung nach leistet das Churer-Modell einen Beitrag zur Befriedigung der drei Gundbedürfnisse, welche Deci & Ryan in ihrem Selbstbestimmungsmodell zusammenfassen. Insofern biete das Churer-Modell einen Beitrag um Autonomie im Unterricht zu fördern.
Jedoch ist anzumerken, dass es massgeblich auch auf die SuS ankommt. Nicht alle SuS haben ein gleich grosses Autonomiebedürfnis. Nach der Paradox of Choice könnten einige SuS überfordert werden.
Abschliessend müssen die SuS sich auch sehr gut selbst reflektieren können. Es stellt sich die Frage ob dies alle SuS gleich gut können (z.B Einfluss Leistungsniveau, Alter, etc.). Das Churer-Modell erfordert auch einen ständigen Reflexionsprozess der LPs. Sie müssen ihre Klasse und ihre SuS sehr gut kennen.
Wie im Video erwähnt, wird im Churermodell durch die Förderung der Autonomie im Unterricht, die intrinsische Motivation angeregt werden und so ein höhere Selbstbestimmungsempfinden haben. Wie Tom Ate auch schon erwähnt, kann es aber sein, dass die vielen Wahlmöglichkeiten (Sitzplatz, Sozialpartner, Arbeit) die Kinder durchaus auch überfordern könnten.
AntwortenLöschenSpannend und gut finde ich beim Churermodell, dass die Inputs kurzgehalten werden, damit Lernzeit für die Schülerinnen und Schüler und Zeit für die Lernbegleitung und -beratung für die Lehrperson gewonnen wird. Wichtig erscheint mir hier lernschwächere Schülerinnen und Schüler hinsichtlich der Überforderung, die sich in lernoffenen Settings ergeben können, im Auge zu behalten. Sie benötigen engere Begleitung, kürzere Anleitungsintervalle und eine vorgegebene Richtung, damit sie innerhalb dieser Struktur selbständig lernen können.
AntwortenLöschenWas mich besonders anspricht ist der hohe Anteil von Vertrauen und Verantwortung, die den SSn gegeben wird. Es wird im Video deutlich, dass die SS verstehen, dass die "richtige Lösung" nicht bei der LP, sondern bei ihnen selbst zu finden ist. Stecken sie fest, müssen sie aktiv nach einem neuen Lösungsweg suchen. Ich finde, dass besonders in der Primarschule, SS oft versuchen den einfachen Weg einzuschlagen und schon früh bei auftretenden Problemen den nächsten Erwachsenen um Hilfe zu bitten. Natürlich ist es dann an dem Erwachsenen, die Erwartungen an die SS zu kommunizieren. Allerdings ist es viel einfacher und schneller einen deutlich weitreichenden Tipp zu geben, als die SS selbst nach einem neuen Lösungsvorschlag zu fragen und sie so an Lernroutinen/eigenverantwortliches Lernen zu gewöhnen und die Erwartungen der Lernumgebung zu kommunizieren.
AntwortenLöschenSonst stimme ich gerne allen, die Deci, Ryan, Schwartz erwähnt haben zu.
AntwortenLöschenNoch ein Gedanke -- Eine Kollegin, die jahrelang an einer internationalen Schule "inquiry based" Unterricht gegeben hat und dann in eine Schweizer Schule mit Churermodell gewechselt hat, war nicht sehr von der dort etablierten Binnendifferenzierung begeistert. Scheinbar konnten die Kinder dort das Level ihrer Aufgaben selbst wählen und ihre Wahl der Materialien schränkte ein, welche Noten sie erreichen konnten (zB wenn du das Mathepaket B wählst, kannst du höchstens eine 4 erreichen).
Sicherlich ist diese Umsetzung des Models nicht typisch, allerdings fand meine - einen sehr offenen Unterricht gewöhnte - Kollegin diese Art der Schülerautonomie nicht sehr lernförderlich, da viele Schüler eine sichere/bequeme Wahl trafen und nicht annähernd auf dem Level ihres Lernpotenzials arbeiteten. Natürlich könnten die LP diese Situation ändern. Allerding denke ich, dass sich LP vielleicht etwas überfordert fühlen könnten, dass sie die Lernerfolge, die im Offenen Unterricht erreicht werden noch immer in ein Notensystem übertragen müssen, welches auf einem anderen/eher älteren Verständnis von Unterricht basiert.
Das Churermodell zeigt für mich viele Punkte, die die Autonomie stärken. Aber wie einige schon erwähnt haben, wird auch diese Modell nicht allen Kindern gerecht. Die LP muss auch in diesem Modell die einzelnen Kinder und die Klasse im Auge behalten und gewissen Autonomiebereiche vielleicht auch wieder einschränken, was zu Frust führen kann.
AntwortenLöschenDie Übergabe von Verantwortung finde ich sehr spannen, aber auch da sehe ich ein bei vielen Schülern ein Überforderungspotential.
Schöne zeigt sich aber auch hier, dass ohne Instruktion und erlernen der Autonomieübernahme, Selbstreflexion und Verantwortung kein autonomer Unterricht durchführbar ist.
Auf theoretischer Ebene wäre das Churermodell wunderbar, nicht zuletzt da es den Anforderungen der Selbstbestimmungstheorie gerecht wird. Nun ist es aber so, dass in der Praxis nicht alle Kinder gleichermassen damit klarkommen. Während es für einige sicher autonomieförderlich sowie motivierend ist, benötigen andere Lernende einen Schulalltag mit mehr Strukturen, um effektiv arbeiten zu können oder auch Lernstrategien zu internalisieren. Es bräuchte also vielleicht so etwas wie ein "geführtes" Churermodell, bei dem anfänglich viel Instruktion oder Hilfestellungen dargeboten würden um mit der Zeit immer mehr den Kindern überlassen zu können.
AntwortenLöschenIch finde interessant, dass nicht nur die Lernlandschaft der SuS sich verändert, sondern auch die LP mehr Dynamik entwickeln. Die LP im Film hat ganz klar vermittelt, dass sie zwar einen Mehraufwand hat, aber dass sie gerne selber etwas Neues ausprobiert. Ich denke die LP gestehen den SuS automatisch mehr Möglichkeiten/Autonomie/Raum zu, wenn sie selber nicht immer alles gleich machen und selber "offener" sind und nicht nur ihre Unterrichtsform.
AntwortenLöschenDer Beitrag veranschaulicht meiner Meinung nach, dass das Churermodell vielleicht eine gute Sache ist, aber viel mehr, wie relevant die Motivation und die Einstellung der Lehrperson gegenüber der Beziehung zu den SuS/ unter den Sus/ Unterricht ansich ist - die Unterrichtsmethode kann noch so gut gemeint sein, wenn die LP nicht dahinter stehen.
Der Ansatz des Churer-Modells klingt sehr interessant. Es leuchtet ein, dass die Autonomie oder das Selbstbestimmungsempfinden durch die freie Sitzwahl erhöht wird. Der Input im Kreis hat auch zum Ziel, die nötige Instruktion zu gewährleisten, damit nachher selbständig an den Lernaufgaben gearbeitet werden kann. Bezüglich der Zugehörigkeit, welche in der Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan eine zentrale Rolle einnimmt, stellt sich mir aber die Frage, ob Kinder, welche sich sozial etwas "ungeschickt" anstellen nicht etwas mehr Begleitung statt Autonomie bräuchten und die ständige Sitzplatz- oder Partnerwahl eher als Stress angesehen wird.
AntwortenLöschenDa schliesse ich mich gerne an. Wie ich bei Frage 4 angemerkt habe, kenne ich eine Klasse, die sich explizit feste Sitzplätze gewünscht hat. Welche Gründe genau dahinter steckten, weiss ich jedoch nicht. Es könnte gut sein, dass auch solche Stresssituationen ursächlich dafür waren.
LöschenDie Schülerinnen und Schüler wählen Lernaufgaben auf ihrem aktuellen Niveau. Die Lehrperson beobachtet, wie die einzelnen Schülerinnen und Schüler sich entscheiden und wie sie mit den Lernaufgaben zurecht kommen. Schülerinnen und Schüler, die sich nicht einschätzen können, werden von der Lehrperson unterstützt. Einerseits müssen die Kinder lernen, sich selber einzuschätzen und dazu gehören auch entsprechende Erfahrungen. In Lerngesprächen wird das Lernverhalten immer wieder thematisiert. Vor allem bei Kindern mit schwachem Selbstwertgefühl ist es wichtig, ihnen durch gute Passung Lernerfolge zu ermöglichen. Damit rückt auch die Entwicklung der Emotionalität in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
AntwortenLöschenDas Modell ist sehr spannend. Schüler werden so befähigt und lernen, Verantwortung für sich, ihre Leistung aber auch für andere zu übernehmen. Die Haltung, dass es jedes Kind im Grunde genommen gut machen und gefallen will, teile ich und der Unterricht in dieser Art und Weise trägt dazu bei, dass man sein Können zeigen kann. Zudem lernen die Kinder auch sich selber besser wahrzunehmen und merken, wann sie Ruhe benötigen. Wir haben auch nicht immer dieselbe Tagesform
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